Das Giant Reign E+ 2 Pro und das Focus Jam² HT Junior

Funktionieren e-MTBs für Kinder in der Praxis?

Sollten Kinder e-Mountainbikes fahren? Diese Frage lässt sich nicht ohne Weiteres mit „ja“ oder „nein“ beantworten, denn wie bei so vielem im Leben, ist auch hier die persönliche Präferenz entscheidend. Doch das heißt noch lange nicht, dass wir es nicht austesten dürfen. e-MTB Experte und Inhaber der e-motion e-Bike Welt Wien Stefan Wallner ist leidenschaftlicher (e-)Mountainbiker und hat seine Passion für das elektrische Gefährt zwangsläufig auch an die Familie weitergegeben. So kommt es nicht von ungefähr, dass seinen Sohn ebenfalls die Neugierde gepackt hat. Ein Focus und ein Giant später, finden sich beide auf einer kleinen Abenteuerfahrt wieder. Was die beiden auf ihren jeweiligen Bikes erlebt haben, hält Stefan in seinem Fahrbericht fest:

Inhaltsverzeichnis

Voraussichtliche Lesedauer: 7 minutes

„From Father to Son“…

Freier Tag, 22 Grad, Sonne – bietet sich doch geradezu für eine e-MTB Ausfahrt an, oder? Genau! Deshalb hieß es „ab in die e-motion e-Bike Welt Wien„! Räder gecheckt und los geht es zum Trailcenter Weidlingbach. Mit dabei: mein 12-jähriger Sohn Tobias, das Giant Reign E+ 2 Pro sowie das Focus Jam HT Junior. „Was? Ein e-Bike für ein Kind? Muss das sein?

Gut zu wissen Grafik | e-Bikes keine Altersbeschränkung

Dies wird sich der ein oder andere gewiss fragen. Ich sage: „Ja, warum nicht?“ Erstens wird der Aktionsradius der Kids dadurch stark erweitert – 1.200 hm in drei Stunden wären bei Tobias ohne das „e“ vor dem Bike nicht möglich. Zweitens wird unsere Geschwindigkeit aneinander angeglichen. Ich pedaliere gemütlich bergauf, während Tobi sich schon anstrengen muss, trotzdem sind wir etwa gleich schnell. Drittens kommen wir so zu Trails, die wir sonst wegen eventueller Anstiege nicht fahren würden. Und viertens macht es einfach Spaß.

Stefans Sohn Tobi auf dem Focus Jam HT Junior
Stefan Wallner auf Giant Reign e-MTB

Das e-MTB Abenteuer beginnt Uphill

So, genug der Vorrede! Voller Vorfreude vergeht die Anreise wie im Flug und schon befinden wir uns im ersten Anstieg des Tages. Der vergeht dank der kräftigen Motoren ebenfalls in Windeseile. Im Giant werkelt der neue Sync Drive Pro mit dem genialen Automatik-Modus und im Focus der altbekannte Shimano Steps E8000. Geschaltet wird bei Giant mit einer SRAM 12-fach Schaltung, bei den High End Modellen mit der Shimano XT 12-fach Gruppe.

Oben angekommen heißt es dann: Fahrwerk auf, Sattel runter und ab auf den Trail. Zuerst vorsichtig, dann schneller. Das ist es auch, was das Reign E+ Pro braucht – Geschwindigkeit. 

Die Ausstattung des Giant Reign in der Praxis

Mit dem Fox-Enduro Fahrwerk (170 mm vorne, 160 mm Maestro-Hinterbau hinten), dem Fox Float DPS Federbein mit Ausgleichsbehälter, der 36-er Fox Gabel vorne und der relativ flachen Geometrie will das Bike auf Zug gehalten werden, sonst wird es kippelig und unruhig. Bereits in der Basisversion ist das hier beschriebene Fahrwerk top und zufriedenstellend.

Überhaupt ist das Bike eher laufruhig als wendig und das trotz der 27,5+ Bereifung. Aber einmal auf Speed, ist der Fahrer das limitierende Element, nicht das Rad. Die Maxxis DHF und DHR verbeissen sich ordentlich im Gelände und garantieren bergauf wie bergab beste Traktion. Sprünge, Wurzelpassagen, Steilabfahrten und Co. entlocken dem Fahrwerk gefühlt ein müdes Lächeln – man bekommt immer genug Feedback. Kleine Schläge werden sehr sanft weggefiltert, die Endprogression ist absolut ausreichend, sodass auch mal kleinere Fahrfehler weggebügelt werden – zu kurz beim Double – kein Problem.

Aber die nächste Kurve kommt bestimmt! Kein Problem mit der bissigen SRAM Guide 4-Kolben-Bremse – standesgemäß für ein Enduro mit 200er Scheiben vorne und hinten. Auch von der Standfestigkeit auf den kurzen Abfahrten ist kein Problem zu spüren.

In Bezug auf Geräuschentwicklung des Yamaha-Motors muss man festhalten, dass der Hersteller hier eindeutig tätig wurde, denn der Antrieb werkelt leiser als zuletzt das Vorjahres-Modell.

Stefan Wallner fährt auf dem Trail mit Giant Reign e-MTB

Puristisch ist die Bedieneinheit, die gleichzeitig als Display dient. Der Akkustand und die Unterstützungsmodi werden mit Leuchtdioden angezeigt. Fahrdaten und Geschwindigkeit findet man, wenn man per Handy die Giant Ride App zuschaltet. Was besonders gut gelungen ist, ist der erwähnte Automatik-Modus und die neue Motorcharakteristik. Es besteht ein sauberer Durchzug von unten wie jeher, jedoch kein Leistungsabfall bei sportlicheren Kadenzen. So muss das sein 😉

Gibt es auch Schwachstellen bei diesem Top-Bike? Nur punktuell, denn die über 24 kg Gewicht kann man vor allem beim Anbremsen nicht ganz leugnen.

Kinder auf dem Trail: Tobis Erfahrung

Und Tobi? Ist mit einem Dauerlächeln und Feuereifer bei der Sache. Auch kleinere Unebenheiten bringen ihn nicht aus der Ruhe. Naturgemäß ist das Focus bergab natürlich langsamer – es ist ja schließlich immer noch ein Hardtail. ABER: Tobi kommt mit dem Rad überall runter, was mit seinem alten Mountainbike undenkbar gewesen wäre.

Das grüne Kinder e-MTB Focus Jam² HT Junior

Durch das relativ überschaubare Gewicht, den kleinen 26 Zoll Laufrädern mit ordentlicher Schwalbe-Bereifung und der agilen, wendigen Geometrie, fährt sich das Focus bergauf wie bergab hervorragend. Geschaltet und gebremst wird mit Shimano-Komponenten, die Gabel ist aus dem Hause RockShox – also eine grundsolide Ausstattung, die im Gelände einfach Spaß macht. Der fest verbaute Akku hat 378 WH, genug für die erwähnten 1.200 hm. Der 500 WH Akku (gegen Aufpreis wäre auch eine 625 WH Batterie erhältlich) im Giant zeigt gar noch zwei von fünf Lichter an.

Unser Fazit

Auch der schönste Bike-Tag geht irgendwann zu Ende und die großen und kleinen Fahrer sind müde. Unser Fazit des Tages: 

Es gibt nichts Schöneres als eine Bike Tour mit dem eigenen Nachwuchs (Stolz ist hier noch untertrieben ;)).

Das Giant ist bergab eine Waffe, die richtig eingesetzt werden will. Bikepark, grobe Alpenabfahrten und verblockte Trails sind das Spielrevier, wo alles weggeräumt wird. Dafür ist es kein Inbegriff an Agilität. Im Rahmen des Bike Festivals in Brixen im September hatte ich bereits das Vergnügen, das Bike näher kennenzulernen. Mein Eindruck von damals hat sich bestätigt. Steile, technisch anspruchsvolle Trails und Highspeed-Passagen? Ja, gerne. Enge, aufeinanderfolgende Kehren und enge Richtungswechsel? Hier ist einiges an Nachdruck gefragt. Das Focus Jam HT Junior ist ein perfektes Bike für die ambitionierten Nachwuchsbiker. Und Ja:  Ein e-Bike ist auch was für die Kleinen 😉

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